
Schnarchen kann gefährlich sein!

Wer nachts schnarcht, dass die Wände wackeln, handelt sich nicht nur den Zorn seiner Mitmenschen ein, er schwebt manchmal sogar in Lebensgefahr.
Vier Prozent aller Schnarcher und zwei Prozent der Schnarcherinnen steht nämlich mehrmals nachts der Atem still. Die wiederholten Aussetzer - der Arzt spricht von "Apnoe" - führen zu starken Druckschwankungen im Brustraum. Das treibt den Blutdruck in die Höhe und bringt das Herz aus dem Takt. Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen sind die Folge. Damit ist die Schlaf-Apnoe, die fast immer von lautem Schnarchen begleitet wird, eine akute Gefahr für jedes Herz. Doch nicht nur ein angegriffenes Herz kann dem Schnarchen mit Apnoe zum Verhängnis werden.
Fehlender Tiefschlaf und Tagesmüdigkeit sind häufige Ursachen tödlicher Unfälle im Straßenverkehr oder im Berufsalltag. Die nächtlichen Atemstillstände werden nämlich regelmäßig durch eine kurze Aufwachreaktion gestoppt, die der Schnarcher dann zunächst nicht bemerkt. Erst am nächsten Tag fühlt er sich wie gerädert, kann sich kaum konzentrieren und nickt in ruhigen Momenten ein. Hinter dem Steuer kann dem vielleicht ahnungslosen Apnoe-Kranken sein nächtliches Schlafdefizit zum Verhängnis werden. "Ist Schlaf-Apnoe heilbar?" Wer sollte sich behandeln lassen und wie wird die Krankheit therapiert?
Frage: Bringt das Schnarchen als solches das Herz in
Gefahr?
Apotheker H. Luther:
Nein, Schnarchen ist nicht prinzipiell gefährlich für das Herz.
Doch häufig ist lautes Schnarchen mit der Schlaf-Apnoe assoziiert.
Menschen mit Schlaf-Apnoe schnarchen meist ungewöhnlich laut und
nicht selten wird die Krankheit dadurch entdeckt, dass der
Ehepartner auf einen Arztbesuch drängt. Die Apnoe begünstigt das
Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen.
Frage: Wann genau liegt eine Schlaf-Apnoe vor?
Apotheker H. Luther:
Das Krankheitsbild wird von wiederholten Atempausen während des
Schlafs gekennzeichnet. In gewissen Grenzen sind diese
Unterbrechungen normal. Dauern die Atemstillstände mindestens 10
Sekunden an, handelt es sich um Apnoe-Phasen. Kommt es in der
Stunde öfter als Zehnmal dazu, sprechen wir von einer Schlaf-Apnoe.
Bei der sogenannten "obstruktiven Schlaf-Apnoe" ist eine Verengung
im oberen Atemtrakt die Ursache. Der Apnoe können aber auch
Muskelerkrankungen oder Störungen des Nervensystems
zugrundeliegen.
Frage: Stört die Apnoe den normalen Schlaf?
Apotheker H. Luther:
Ganz sicher. Denn es kommt immer wieder während des Schlafs zu
kurzen Aufweckreaktionen, den "Arousais", was die Schlafarchitektur
stört und die Schlafqualität erheblich beeinträchtigt. Die
Patienten fühlen sich am nächsten Morgen nicht erholt und sind
tagsüber entsprechens müde.
Frage: Nun fühlt sich ja jeder morgens müde. Wie merkt der
Apnoe-Patient, dass er richtig krank ist?
Apotheker H. Luther:
Auf Dauer stellt sich eine ganze Reihe von Beschwerden ein: Neben
der chronischen Müdigkeit kommt es zu Konzentationsstörungen, die
libido lässt nach, es entsteht eine fast zwanghafte
Einschlafneigung. Die Patienten können kaum mehr ein Buch lesen,
entwickeln Gedächtnisstörungen und sind nicht selten depressiv.
Frage: Welche konkreten Gefahren birgt die Schlaf-Apnoe für das
Herz?
Apotheker H. Luther:
Während der Apnoe-Phasen kommt es zu erheblichen Druckschwankungen
im Brustbereich und zu einer eindeutigen Sauerstoff-Unterversorgung
des Herzens. Dies könnte langfristig zu einer koronaren
Herzerkrankung den Boden bereiten. Klar belegt ist, dass die
Schlaf-Apnoe Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen auslösen
kann.
Frage: Gibt es den typischen Apnoe-Patienten und welcher Arzt
behandelt ihn?
Apotheker H. Luther:
Sehr häufig sind Apnoe-Patienten stark übergewichtig, und oft
leiden sie auch an Bluthochdruck. Zunächst ist der Hausarzt der
richtige Ansprechpartner. Falls erforderlich, wird er beim Facharzt
eine ambulante Überwachung der nächtlichen Atmung veranlassen.
Zeigen sich dabei Auffälligkeiten, so wird der Patient zur genauen
Abklärung der Diagnose in ein Schalflabor überwiesen.
Frage: Wie sieht die Therapie aus?
Apotheker H. Luther:
Zunächst sollte der Patient, wenn erforderlich, sein Körpergewicht
reduzieren, auf Alkohol und Schlaftabletten verzichten und dafür
sorgen, dass er regelmäßig ausreichend Schlaf erhält. Bei
ausgeprägter Erkrankung muss der Patient während des Schlafs über
eine Nasenmaske beatmet werden. Dabei wird ihm die Luft mit
leichtem Überdruck zugeführt, so dass die Atemwege von außen offen
gehalten werden. fast alle Patienten gewöhnen sich rasch an die
Nasenmaske und lassen sich damit erfolgreich behandeln. Nur in
wenigen Einzelfällen muss ein operativer Eingriff erwogen
werden.
Frage: Wird mit der Behandlung auch die Gefahr fürs Herz
gebannt?
Apotheker H. Luther:
Wir wissen, dass sich durch die Behandlung der Blutdruck und auch
die Herzrhythmusstörungen normalisieren können. Somit verringert
sich durch die Therapie deutlich das Risiko für Herz und
Kreislauf.